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    • Das Huhn - Erster Teil

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      Das Huhn, erster Teil.


      Das Huhn ist der stille Titan, auf dessen Rücken Amalur schläft. Allgemein als Grundnahrungsmittel in jeder wohlhabenden Küche vorzufinden, hat das Huhn seine Fähigkeit bewiesen, überall mit minimalster Zuwendung zu gedeihen. Warum also haben so wenige von uns Gelehrten ein Buch oder zumindest einen Absatz oder eine Erwähnung diesem edlen Tier gewidmet?

      Dieses Versäumnis werde ich nun nachholen. Ich werde eine unbeirrte und holistische Analyse des Urwaldgeflügels durchführen, das im Volksmund "Huhn" genannt wird. Und wie jeder geistig gesunde praktizierende Wissenschaftler werde ich meine Studie mit einer Anatomie des anmutigen Geschöpfs und seines Verhaltens beginnen.

      Das wohl herausstechendste Merkmal des Huhns ist natürlich sein Kamm. Umgangssprachlich auch Grindlappen oder Mitharus Missgriff genannt, wird dieser schlappe Fleischmantel in gebildeten Kreisen als Grossia majoris (bei Hähnen) bzw. Grossia minoris (bei Hennen) bezeichnet. Viele haben schon Vermutungen über den Zweck dieser Auswüchse angestellt, wobei einige in ihnen ein Mittel zur Kommunikation sehen. Das jedoch ergibt wenig Sinn - müssen denn nicht auch Küken kommunizieren? Warum haben dann sie kein kleines Grossia majoris bzw. minoris? Nein, der Kamm des Huhns ist wohl viel eher ein nicht mehr benötigtes Rudiment, das zur Abwehr von Räubern ebenso verwendet wurde wie zur Navigation durch den ursprünglichen natürlichen Lebensraum des Huhn - den Ozean. Seht Ihr, wie die Falten und Konturen dieser Auswüchse den Finnen aquatischer Fauna ähneln? Es ist kein Zufall.

      Das Huhn ist jedoch nicht allein für seine physischen Eigenschaften bekannt. Das Huhn - insbesondere der Hahn - ist für die Gewissenhaftigkeit bekannt, mit der er den Beginn des neues Tages verkündet. Das Maß, in dem die Tiere dieses Verhalten an den Tag legen (man möge mir das Wortspiel verzeihen) ist zwar geringer als allgemein überliefert, die Berichte über das Verhalten an sich beruhen jedoch auf Tatsachen. Hähne verkünden begierig den Beginn jedes neuen Tages, auch wenn es keine Erklärung für dieses Verhalten gibt. Vielleicht jubilieren sie ob der Gelegenheit, sich erneut paaren zu dürfen? Vielleicht verehren sie Helius, den Sonnengott? Man weiß es nicht, man weiß es nicht.

      Das wertvollste Gut des Huhns ist, natürlich, sein Ei. Hühnereier sind das Lebensblut der Bauern und der Adeligen Amalurs zugleich, denn ihre Nahrhaftigkeit rettet uns durch den Tag und den Abend. Warum legen Hühner Eier in solch gewaltigen Mengen? Um sicherzugehen, dass zumindest ein Nachfahre überlebt? Ich glaube vielmehr, dass das Huhn seine Physiologie des Eierlegens, umgangssprachlich als Ovipositor Matricula bekannt, angepasst hat, um ein Mehr an Nachwuchs als Mittel zu Vergrößerung der weltweiten Bevölkerung seiner Rasse hervorzubringen. Gewiss, die edlen Tiere gedeihen in Gefangenschaft, doch sie sehnen sich nach der Freiheit ihrer wilden Vorfahren. Es muss daher eine Hoffnung sein, die sie dazu treibt, die Welt mit ihresgleichen zu überschwemmen, bis der Besitz an ihrer Rasse bedeutungslos wird und sie so endlich frei ist.


      Kingdoms of Amalur: Reckoning